Trächtigkeit und Abfohlen - Hilfreiche Informationen

Im Vergleich zu unseren anderen Haustieren scheint das Pferd eine relativ schlechte „Reproduktionsfähigkeit“ zu haben. In der „freien Natur“ ist das aber nicht der Fall. Daher liegt der Schluß nahe, daß diese schlechte „Zuchtleistung“ eher auf Fehlern in der Tierhaltung beruht - also ein „Managementproblem“ ist. Glücklicherweise ist aber „Management“ etwas, was wir verbessern und verändern können! Was Sie, als gewissenhafte(r) Zuchtstutenbesitzer/in für Ihre Stute tun können, ist rasch gesagt: Ausreichende und qualitätsvolle Ernährung, regelmäßiges Entwurmen, ausreichend Bewegung und zeitgerechte Impfungen.

Dazu einige, etwas ausführlichere Erläuterungen:
 

1.TRÄCHTIGKEITSPHASE

Nach der Befruchtung wandert die befruchtete Eizelle (=Embryo) 6 -7 Tage lang durch den Eileiter in die Gebärmutter, wo sie sich noch bis ca. zum 16. Tag relativ frei bewegt. Anschließend nistet sich der Embryo in die Gebärmutterwand ein und verbindet sich nach 6-8 Wochen fest mit dieser über die Placenta (=Mutterkuchen).
10-15% aller Embryonen werden innerhalb der ersten 30Tage wieder resorbiert oder abgestoßen. Daher sollte der ersten Trächtigkeitsuntersuchung mittels Ultraschall ( mit ca. 17 Tagen) nach etwa 60-90 Tagen eine zweite folgen, um die Trächtigkeit sicher zu bestätigen.

 

PROBLEMFALL ZWILLINGSTRÄCHTIGKEIT

Zwillinge werden nur sehr selten ausgetragen. Solche Zwillingsfohlen sind klein und schwach und haben kaum Überlebenschancen. Oft jedoch kommt es bereits mit 6-8 Monaten zum Abort. Da jedoch bei 95% aller Zwillingsträchtigkeiten ein oder beide Embryos resorbiert werden, kann nach der Erstdiagnose mit 16/17 Tagen eventuell noch ein paar Tage zugewartet werden. Längstens bis zum 35.Tag sollte jedoch versucht werden, daß der Tierarzt einen Embryo eliminiert. Nur dann ist die trächtigkeitsbedingte Hormonumstellung noch nicht so weit gediehen, sodaß die Stute in derselben Zuchtsaison nochmals gedeckt werden kann.

 

 

2.MITTLERE TRÄCHTIGKEITSPHASE

Außer in besonderen Fällen gilt als Faustregel:
Behandeln Sie Ihre Stute bis zum Ende des 7.Trächtigkeitsmonates so, als ob sie nicht trächtig wäre.
 

 

3.DRITTES TRÄCHTIGKEITSDRITTEL

 

TRÄCHTIGKEITSDAUER

Werden Sie nicht nervös!
Bei der Stute variiert die Trächtigkeitsdauer sehr stark, nämlich von 320 - 360 Tagen. Dies erschwert die Vorhersage der Geburt, doch sollte man gut auf folgende Anzeichen der bevorstehenden Geburt achten: Blutstau und (2-4 Wochen vorher) Anschwellen des Euters; (1- 4 Tage vorher) Erscheinen der klebrigen Harztropfen oder Pechzäpfchen an den Zitzen; Ödeme (d.h. nichtentzündliche Schwellungen) des Unterbauches; Verlängerung der sich dehnenden Schamlippen; Erschlaffen und Weichwerden der Kruppenmuskulatur. · IMPFUNGEN UND MEDIKAMENTE während der Trächtigkeit Die Stute sollte im 5., 7. und 9.Monat gegen Stutenabort (Equine Rhinopneumonie, eine Herpes-Virus-Infektion) geimpft werden. Idealerweise sollte die Tetanusimpfung ca. 1 Monat
vor der Geburt aufgefrischt werden, gleichzeitig kann der Tierarzt einen allgemeinen Immunaufbau (BaypamunÒ, DuphamunÒ,...) durchführen. Eine regelmäßig geimpfte Stute kann mit ihren Antikörpern ihr Fohlen über die Kolostralmilch besser gegen Infektionen schützen.
Die Stute sollte ausschließlich vom Tierarzt verordnete Medikamente erhalten. Weisen Sie den Tierarzt auf die Trächtigkeit hin!

 

VORBEREITUNG DER ABFOHLBOX

WICHTIG! Bringen Sie die Stute RECHTZEITIG in die Abfohlbox! (mind. 2 - 3 Wochen vorher). Die Stute braucht Zeit um entsprechende Antikörper gegen die Infektionsserreger in ihrer Umgebung zu bilden. Diese werden über die Kolostralmilch an das Fohlen weitergegeben und tragen entscheidend zu seinem Schutz bei. Außerdem muß sich die Stute an ihre Box und ihre Nachbarpferde gewöhnen. Dadurch und durch eine genügend große Box lassen sich
Verletzungen von Fohlen oder Stute während und nach der Geburt eher vermeiden. Der Stutenstall, v. a. aber die Box, sollte einige Tage vor der Geburt gründlich gereinigt und evtl. desinfiziert werden. Dies vermindert die Infektionsgefahr für das Fohlen. Außerdem kann das Fohlen dann beim Belecken der Stallwände nicht so viele Parasiteneier aufnehmen. Entwurmen Sie die Stute kurz vor der Geburt oder am Tag der Geburt. Streuen Sie reichlich ein; das Anhäufen von Einstreu an den Stallwänden bringt die Stute meist dazu, sich zur Geburt in die
Mitte der Box abzulegen. Grundsätzlich ist Stroh für die Abfohlbox am besten geeignet.

 

FÜTTERUNG der hochträchtigen Stute

Qualitativ hochwertiges, leicht verdauliches Futter mit genügend Vitaminen und Mineralstoffen. Regelmäßige und ausreichend lange Futterzeiten. Achten Sie auf die Stute: Sie soll gut aussehen, das Haarkleid soll glänzen, aber sie soll NICHT FETT werden. 
 

BEWEGUNG

Regelmäßige Bewegung ist von großer Bedeutung. Tragende Stuten können bis kurz vor der Geburt sogar ruhig geritten werden - größere Anstrengungen sollten aber selbstverständlich unterbleiben. Bei ausgiebigem Weidegang bewegt sich die Stute ausreichend alleine beim Grasen.

 

 

ABLAUF DER GEBURT

Die Geburt ist bei der Stute ein explosionsartiges Ereignis und eventuelle Probleme bedürfen eines sofortigen tierärztlichen Eingreifens, um möglicherweise das Fohlen, zumindest aber die Stute zu retten. Während der ersten Geburtsphase, in der die Stute ängstlich und unruhig erscheint, schwitzt, sich immer wieder umdreht, nach dem Bauch schlägt und sich immer wieder hinlegt (NICHT mit Kolik verwechseln!) ist es nötig, die Stute nicht zu stören, da sie sonst diese Phase nochmals stoppen kann.

In der zweiten Phase (Presswehen 5 - 10 Min.) ist es notwendig, daß das Fohlen so rasch wie möglich ausgetrieben wird, da in dem Moment, wo sich der Mutterkuchen abzulösen beginnt, die Sauerstoffversorgung des Fohlens deutlich abnimmt. Sollte diese Phase länger als 20-30 Min. dauern, so rufen Sie den Tierarzt! Die normale Geburtsposition ähnelt einem „Hechtsprung“ ins Leben: Vorderbeine voraus (eines etwas weiter vor dem anderen) mit Hufsohle nach unten, gefolgt von Nüstern, Kopf, Hals, Rumpf u. Hinterbeinen. Wenn die Hufsohle nach oben zeigt, liegt das Fohlen verkehrt - SOFORT TIERARZT rufen! Sollte beim Austreiben der Frucht die Fruchtblase NICHT zerreißen (SEHR SELTEN), so müssen Sie diese eröffnen!

Die Nabelschnur nicht abtrennen oder abbinden, denn aus dem Mutterkuchen werden noch bis zu 2 l Blut in das Fohlen gepumpt. Sie reißt im Regelfall von selbst durch Bewegungen von Stute oder Fohlen an der vorgesehenen Stelle ab (= einige cm von der Bauchwand). Nach 2 - 3 Minuten hebt das Fohlen den Kopf, nach 40 - 60 Minuten steht es auf und beginnt nach 60 - 120 Minuten zu saugen. Nach etwa 12 - 24 Stunden kann es bereits das
Gleichgewicht gut halten. 

 

 

Was muß NACH DER GEBURT geschehen?

Kontrollieren Sie, ob die Atemwege des Fohlens frei sind. Nötigenfalls reinigen Sie diese, durch Entfernen von Eihautresten, Schleimresten, etc.. Reinigen Sie die Stute (Hinterbeine, Scheide, After, Gesäuge) mit einer milden Seifenlösung und spülen Sie mit ausreichend Wasser. Entfernen Sie die blutige Einstreu u. reinigen Sie die Box so gut wie möglich! Denn beim Suchen nach dem Gesäuge nimmt das Fohlen mit dem Dreck der Mutter zahlreiche Keime auf!

Die Nachgeburt sollte nach 60 - 120 Min. von alleine abgehen (NICHT herausziehen!). Ist dies nach 4 - 6 Stunden nicht der Fall UNBEDINGT den Tierarzt informieren. Die Nachgeburt aufheben - sie ist eine wichtige Möglichkeit für den Tierarzt um evtl. Störungen zu diagnostizieren. Im Falle eines Abortus UNBEDINGT das abortierte Fohlen UND die Nachgeburt aufheben. Beides wird zur Diagnosestellung benötigt. Den Nabel mit einem Spray, etc. desinfizieren, aber NICHT berühren!

 

 

24 STUNDEN INTENSIVE BEOBACHTUNG

Das Fohlen atmet normal und ist aufmerksam und neugierig. Die Stute ist nicht aggressiv sondern sorgt sich um Ihr Fohlen. Sollte die Stute das Fohlen ablehnen, v.a. Maidenstuten, dann das Fohlen entfernen, die Stute beruhigen (Beruhigungsmittel) und einen neuerlichen Zusammenführungsversuch machen. Falls das Fohlen nach 3 Stunden noch nicht getrunken hat -Tierarzt rufen! Bieten Sie der Stute reichlich Wasser an! Viele Fohlen stehen auf wackeligen Beinen und sind „weich gefesselt“. Machen Sie sich keine Sorgen, denn das gibt sich rasch
innerhalb der ersten Tage.

Achten Sie auch auf das Euter: Ist es sehr stark gefüllt oder tropft gar Milch ab, so ist das ein Zeichen, daß das Fohlen wenig säuft!

 

 

FOHLENLÄHME

Fohlenlähme hat nichts mit „Lähmung“ zu tun. Dahinter verbergen sich jene zahlreichen Infektionskrankheiten, die beim jungen, abwehrschwachen Organismus (KEINE ANTIKÖRPER) zu schweren Erkrankungen und damit zum Festliegen (=Lähme) führen können.

 

FOHLENLÄHME-PROPHYLAXE

Halten Sie die Einstreu trocken und sauber. Desinfizieren Sie den Nabel gut und kontrollieren Sie ihn regelmäßig. Achten Sie dabei auf Schwellungen, Eiterungen oder ähnliches. Entscheidend für die Fohlenlähmevorbeugung ist aber die Aufnahme der sog. Kolostralmilch. MOTTO: Schluckimpfung ist süß - Fohlenlähme ist schrecklich!!
Dies ist die erste Milch, die große Mengen an Antikörpern zur Infektionsabwehr enthält, die vom Fohlen während der ersten 24 Stunden (insbesondere während der ersten 8 Stunden) direkt aus dem Darm ins Blut aufgenommen werden. Das Fohlen kommt nämlich ohne Antikörper auf die Welt. Die rechtzeitige und ausreichende Aufnahme von Kolostralmilch (1 - 2 l) wirkt wie eine „Schluckimpfung“ für das Fohlen. Sie schützt das Fohlen solange, bis der
junge Organismus selber in der Lage ist, Antikörper zu bilden. Innerhalb der ersten 24 Stunden sollte der Tierarzt Stute und Fohlen untersuchen (Abgang der Nachgeburt, Euter, Nabelkontrolle, Absetzen des Darmpechs, angeborene Erkrankungen). Weiters empfiehlt sich die prophylaktische Gabe von Breitbandantibiotika, um jene Bakterien rasch wieder zu eliminieren, die in den ersten Lebensstunden durch die noch durchlässige Darmwand in das Blut gelangt sind.

 

RISIKOFAKTOREN

Folgende Faktoren bewirken, daß das Fohlen nicht mit genügend Antikörpern versorgt wird und daher zu einem „Risikofohlen“ im Hinblick auf die Fohlenlähme wird: 

1. Die Stute hat nicht genügend Kolostralmilch, wofür es mehrere Gründe geben kann, z. B. vorzeitiges Milchgeben, Frühgeburt, Schwergeburt, chronisch kranke Stute,alte Stute Euterentzündung,... 

2. Das Fohlen kann nicht genügend Kolostralmilch aufnehmen, weil es z. B. von der Stute abgelehnt wird, zu schwach zum Aufstehen ist, keinen Saugreflex hat, Schmerzen hat, ...

3. Allgemeine Faktoren, z. B. zu später Stallwechsel (d.h. die Stute hatte zu wenig Zeit, um ausreichend entsprechende Abwehrkörper für die neue Umgebung zu bilden) oder unhygienische Verhältnisse (dann besitzt das Fohlen zwar Antikörper, diese reichen aber nicht aus.

 

 

NAHRUNGSZUFUHR

Ein normales Fohlen nimmt täglich 20 - 25 % seines Körpergewichtes an Milch auf, d. h. 12 - 13 l.

 

 

DARMPECH

Das Darmpech oder Mekonium geht während der ersten 3 - 5 Stunden (bis ev. 2 Tage) ab. Die Gabe von etwas Abführöl (z. B. Paraffin) ins Fohlenmaul (langsam einspritzen) fördert den Abgang. Wenn das Mekonium nicht oder nur sehr schwer abgehen sollte, dann wird das Fohlen immer wieder versuchen Kot abzusetzen. Schafft es dies nicht, so informieren Sie den Tierarzt. 

 

 

FOHLENROSSE

Die Stute wird nach ca. 9 Tagen wieder rossig. Dies führt zu Veränderungen der Muttermilch und so zum Durchfall beim Fohlen. Sollte dieser sehr stark sein oder lange dauern, so hilft die Gabe von Tierkohle oder ähnlichem.

 

 

IMPFUNGEN UND ENTWURMUNGEN

Etwa 1 Monat nach der Geburt sollten Sie Stute und Fohlen entwurmen. Ab dem 3. Monat kann das Fohlen gegen Grippe und Tetanus geimpft werden, wobei allerdings nach neuesten Erkenntnissen empfohlen wird, das Fohlen erst mit 6.-7. Monaten erstmalig zu impfen. In weiterer Folge tragen regelmäßiges Entwurmen und Impfen dazu bei, daß sich Ihr Fohlen zu einem gesunden und kräftigen Pferd entwickeln kann.

 

 

 

 

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