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Von „Mitessern und Mördern...“ Tipps zur Entwurmung des Pferdes von Dr. C. Franz Auch wenn es aus tierärztlicher Sicht hin und wieder wünschenswert wäre, bei (zu ) gut genährten Pferden einen therapeutischen Bandwurm einzusetzen ( v.a. bei Ponys und Haflingern, die auch „ohne Futter “immer dicker werden), sind grundsätzlich alle Parasiten des Magen-Darm Traktes als Gegner unserer Pferde zu betrachten. Wie so oft macht auch hier die Dosis (Anzahl der Parasiten) das Gift. Während zahlenmäßig wenige Parasiten als einfache Mitesser im Pferd leben und ihm noch nicht wirklichen Schaden zufügen (Immunstimulation wird diskutiert...) kann ein massiver Parasitenbefall zum Tod des Tieres führen. Leistungsabfall, stumpfes Fell, Gewichtsverlust, Durchfall, Koliksymptome, Anämie (Blutarmut) sollten Anlass geben, mögliche Plagegeister aufzuspüren und zu bekämpfen. Wer tut aber nun Was und Wie kann man dagegen vorgehen ?
Spulwürmer: Die bis zu 50 cm großen Spulwürmer befallen vor allem das wachsende Pferd und können in Großbeständen erhebliche Schäden anrichten. Erwachsene Pferde sind auf Grund eines guten Immunsystems meist selbst in der Lage den Spulwurmbefall einzudämmen bzw. ganz zu eliminieren. Aufgenommen werden die sehr widerstandsfähigen Eier (bis zu 12 Monaten und länger überlebensfähig) über Schmutz im Stall und auf der Weide. Die im Dünndarm schlüpfenden Larven verlassen diesen und vollziehen im Zuge ihrer Reifung eine Körperwanderung ,wo sie in den betroffenen Organen entsprechende Schäden anrichten (Blutgefäße, Leber, Lunge, selten auch Gehirn bzw. Rückenmark). Erkrankungen dieser Organe wie z.B. Lungenentzündung (evtl. durch zusätzliche bakterielle oder virale Infektion erschwert), Lebererkrankung oder auch zentralnervöse Symptome lassen nicht immer sofort an eine parasitologische Ursache denken, zumal in dieser Phase noch keine Eier im Kot nachweisbar sind. Die erwachsenen Spulwürmer leben im Dünndarm und können hier zu Schäden (Durchfall, Kolik,...) bei hochgradigem Befall auch zum Verstopfen des Darmes (Wurmileus – Darmverschluss ) führen. Fohlen sollten ab einem Alter von 6-8 Wochen regelmäßig (alle 2 Monate) entwurmt werden. Besondere Bedeutung ist der Weide und Stallhygiene zu widmen (tägliches Ausmisten, Kotentfernung auf der Weide mind. 2 mal pro Woche wäre empfehlenswert). An Entwurmungspasten steht ein breites Spektrum mit sehr guter Wirksamkeit und Verträglichkeit zur Verfügung (z.B. Banminth, Equest, Ivermectinhaltige wie Ivomec, Eraquell, etc.).
Bandwürmer: Bei einer Untersuchung an Schlachtpferden in Deutschland lag bei ca. 75% der Tiere ein Befall mit Bandwürmern vor. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Verhältnisse in Österreich ähnlich sind. Der Nachweiß von abgestoßenen Bandwurmgliedern im Kot gelingt jedoch nur sehr selten, auch wenn das Tier massiv befallen ist. Ein Bluttest, der den Nachweis erleichtern soll, befindet sich noch in der Erprobung. Aufgenommen wird die infektionsfähige Larve über die auf feuchten Weiden weit verbreitete Moosmilbe (sogenannter Zwischenwirt) vor allem im Spätsommer und Frühherbst. Im Pferd angekommen, siedeln sich die Larven im Bereich zwischen Dünn- und Blinddarm an. Sie heften sich an die Darmschleimhaut und verursachen funktionelle Störungen der betroffenen Abschnitte (Verstopfungen, Abmagerung, Durchfall, bei Massenbefall auch Darmriss). Eine Entwurmung mit einem praziquantelhaltigen Präparat, alleine oder in Kombination (Droncit, Equimax) im Zuge der Parasitenbekämpfung am Anfang und Ende (!) der Weidesaison liefert einen guten Schutz unserer Pferde gegen Bandwurmbefall. Auch Pyrantel (Banminth) soll in doppelter Dosierung wirksam sein.
Große Strongyliden: Die Larven der Palisadenwürmer lieben es warm und feucht. Es können aber auch Eier und infektiöse Larven überwintern. Während am Beginn der Weidesaison eher ein geringes Infektionsrisiko besteht, stellen Spätsommer und Herbst die Hauptaufnahmezeit der Parasiten dar. Die Larven ernähren sich bis zu einem bestimmten Entwicklungsstadium im Pferdekot vor allem von Bakterien und sind dann in der Lage, in feuchten Morgen- und Abendstunden an Grashalmen empor zu kriechen und werden so mit dem Weidefutter aufgenommen. Aber auch im Stall entwickeln sich die Larven bei entsprechenden Bedingungen prächtig und klettern an der Boxenwand in respektable Höhen, um ins Pferdemaul zu gelangen (Ablecken...). Für die Pferde, betroffen sind alle Altersgruppen, sind nicht so sehr die erwachsenen Würmer gefährlich, als vielmehr wieder die sich entwickelnden Larven bei Ihrer Wanderung durch den Körper. Die auch als Blutwürmer bezeichneten Parasiten durchbohren die Darmwand des Dickdarmes, um sich in den Blutgefäßen stromaufwärts zu bewegen. Die durchwanderten Gefäße können sehr heftig reagieren (Gefäßwandschwellung, Bildung von Blutgerinnseln) und dadurch Symptome wie Fieber, heftige Koliken (Blutversorgung des Darmes durch entzündetes bzw. verschlossenes Gefäß ist schlecht bzw. nicht mehr möglich – Absterben des betroffenen Darmteils) oder auch Lahmheiten (z.B. bei Einwanderung in Blutgefäße der Hintergliedmaßen) verursachen. Diese Larvenwanderung dauert einige Monate und die Entwicklung zum erwachsenen Wurm findet ihren Abschluss wieder im Dickdarm (Eiablage- Kotuntersuchung !!!). Neben dem Einsatz wirksamer Medikamente stellen vor allem gute Weide- und Stallhygiene und entsprechendes Weidemanagement wichtige vorbeugende (und preiswerte) Maßnahmen zur Senkung des Parasitenbefalls dar. Das regelmäßige Einsammeln des Kotes von der Weide (2x wöchentlich) sowie regelmäßiges Ausmisten der Ställe führen zu deutlicher Senkung der Larvendichte. Eine Überweidung (maximal 2 Pferde pro ha) ist zu vermeiden. Alle 3 Monate sollte ein neuer Abschnitt beweidet werden. Pferde einer Herde sind gemeinsam und regelmäßig zu entwurmen. Gut wirksam gegen große Strongyliden sind zahlreiche Breitspektrumanthelmintika wie z.B. Ivermectine (Ivomec, Eraquell, Noromectin ), Pyrantel (Banminth), Moxidectin (Equest), u.a. Ein Wechsel der Wirkstoffe nach 3 Entwurmungen wird empfohlen, um möglichen Resistenzentwicklungen vorzubeugen. Ein mögliches Behandlungsschema gegen kleine und große Strongyliden wäre z.B.: im April/Mai bei Weideaustrieb Ivermectin evtl. in Kombination mit dem Bandwurmmittel Praziquantel ( z.B. Equimax oder Ivomec und Droncit) - Anfang Juli und Anfang September Pyrantel (Banminth) - im November wieder Ivermectin in Kombination mit Praziquantel (zusätzliche Bekämpfung von Bandwurm und Magendassel) - Moxidectin (Equest) bietet gegenüber Ivermectin bzw. Pyrantel den Vorteil, dass es länger im Organismus gespeichert wird. Zudem ist es der einzige Wirkstoff auf dem Markt, der bei einmaliger Verabreichung eine moderate Wirkung gegen die sogenannten enzystierten Larven der kleinen Strongyliden (siehe unten) besitzt. Er lässt sich ebenfalls mit einem Bandwurmmittel kombinieren (z.B. Equest und Droncit) - ein regelmäßiger Wechsel des Wirkstoffes (nach der 3. Entwurmung) wird empfohlen
Kleine Strongyliden: Im Gegensatz zu ihren großen Verwandten wandern ihre Larven nicht durch den Körper, sondern reifen in der Darmwand des Dickdarmes und können diese massiv schädigen (...chronische Durchfälle bei jungen Pferden am Ende der Weidesaison). Nach 6-12 Wochen ist die Entwicklung abgeschlossen und die geschlechtsreifen Würmer treten wieder in den Darm aus, um mit der Eiproduktion zu beginnen (Kotprobe!!!). Werden Larven noch spät im Herbst aufgenommen, können diese einen Art Winterschlaf in der Schleimhaut des Darmes halten. Aus bisher noch ungeklärter Ursache kann es einige Monate später zur plötzlichen Massenauswanderung der „aufgeweckten“ Larven kommen. Abhängig von der Anzahl der Parasiten kommt es zu einer schweren Entzündung des Dickdarmes (Typhlokolitis), die auch zum Tode führen kann ( Sterberate bis zu 15%). Die Bekämpfung entspricht der der großen Strongyliden, wobei zu bemerken ist, dass in einigen Regionen Resistenzen gegenüber Benzimidazolen (z.B. Rintal, Panacur, Telmin, ) beschrieben wurden. Um so wichtiger ist es, die Parasitenbekämpfung nicht nur auf die Wurmkur zu beschränken, sondern besonders auf gutes Stall- Weidemanagement zu achten.
Magendassel: Die nur wenige Tage lebenden Fliegen der Magendassel legen an trockenen Sommertagen (Juli/ August) ihre Eier an Pferdehaare der Vordergliedmaßen und Brust ab. Beim Belecken der Haare werden die aus den Eiern schlüpfenden Larven aufgenommen. Sie bohren sich in die Schleimhaut von Zunge, Zahnfleisch und Gaumen und können über 3-4 Wochen für Schwellungen und Schmerzen in diesem Bereich sorgen. Dann wandern sie Richtung Magen, um sich in der Schleimhaut anzusiedeln und dort ihre Entwicklung fortzusetzen. Abhängig von der Anzahl zeigen betroffene Pferde Symptome einer Gastritis ( mäßige Futteraufnahme, Koliksymptome häufig unmittelbar nach dem Fressen, Leistungsabfall,... ).Bei massiven Befall können Magengeschwüre bis hin zum Magendurchbruch auftreten. Im Herbst ( Oktober/November) sollte darauf geachtet werden, dass das eingesetzte Entwurmungsmittel auch gegen die sogenannten Gasterophilus- Larven (Magendassel) wirksam ist. Eine einmalige Behandlung mit Ivermectin oder Moxidectin bzw. einem organophosphanhaltigen Kombinationspräparat (Telmin plus) ist in der Regel ausreichend, um alle Larvenstadien abzutöten.
Zwergfadenwurm: Die ca. 9 mm langen Würmer sind für erwachsene Pferde eher harmlos. Sie leben im Darm und legen Eier, die mit dem Kot ausgeschieden werden. Fohlen nehmen die daraus schlüpfenden Larven entweder über die Einstreu auf, oder die Larven bohren sich an dünnhäutigen Körperstellen aktiv durch die Haut. Einige gelangen über den Blutweg auch ins Euter und können mit der Milch aufs Fohlen übertragen werden. Die Larven schädigen bei ihrer Körperwanderung das entsprechende Gewebe (Haut, Lunge, Darm) und begünstigen nachfolgende Infektionen mit Bakterien oder Viren. Durchfälle, Hauterkrankungen und Lungenentzündung können auf ihr Konto gehen. Es empfiehlt sich daher eine Behandlung der Stute im geburtsnahen Zeitraum mit einem wirksamen Mittel wie z.B. Ivermectin.
Allgemeine Hinweise: Der Beitrag gibt nur einen groben Überblick über einige wichtige Pferdeparasiten unserer Region und erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Der Inhalt beruht auf eigenen Erfahrungen unter Einbeziehung der neuesten Literatur. Bei konkreten Fragen hilft Ihnen Ihr Haustierarzt gern weiter. Beim Einsatz der Entwurmungsmittel sollte immer auf die jeweiligen Angaben des Herstellers geachtet werden.
Ihre Larven sorgen bei der Körperwanderung innerhalb der Blutgefäße für Schäden. Durchblutungsstörungen der betroffenen Organe sind die Folge.
Kotprobe : Bei der Kotuntersuchung ist nur ein frischer Pferdeapfel (...einige Gramm in einen leeren Joghurtbecher ) aussagefähig, da einige Parasiten unverzüglich das Weite suchen. Eine negative Probe bedeutet nicht, dass Ihr Pferd frei von Parasiten ist (Körperwanderung bestimmter Larvenstadien).
Eingabe der Wurmpaste : Achten Sie darauf, dass Ihr Pferd den Wirkstoff in der entsprechenden Dosierung aufnimmt. Wenn die Hälfte der Paste ausgespuckt wird, kann keine ausreichende Wirkung erzielt werden. Dosierer seitlich ins leere (!) Maul zwischen Backen und Schneidezähne einschieben und die Paste so weit wie möglich nach hinten auf den Zungenrücken drücken. Bei schwierigen Patienten kann man einige Tage vorher mit der Eingabe von Honig o.ä. beginnen und den Dosierer dann ebenfalls mit Honig überstrichen anwenden. Hier ist häufig Fantasie und Geduld gefordert.
Nach der Entwurmung : Innerhalb der nächsten 2 Tage gehen vermehrt getötete bzw. stark geschwächte Parasiten mit dem Kot ab. Man kann davon ausgehen, dass sich in einigen noch infektionsfähige Larven- bzw. Eistadien befinden. Deshalb ist in dieser Zeit der Dung entsprechend zu beseitigen. Die Pferde selbst zeigen durch die Wurmkur nur selten Probleme (kurzzeitiger Leistungsabfall über 1-2 Tage). Echte Kolikerscheinungen infolge einer Entwurmung traten bei unseren Patienten bisher nicht auf.
Neue Pferde : Neu aufgestallte Pferde sollten entwurmt und frühestens nach 2 Tagen auf die gemeinsame Koppel gehen.
Stuten : Ivermectinhaltige Präparate sollten in der frühen Trächtigkeitsphase (bis 40. Tag ) nicht verwendet werden. Prinzipiell sind die meisten Präparate gut verträglich. Beachten sie aber unbedingt die Hinweise des Herstellers im Beipacktext. Zum Schutz des Fohlens vor einer Infektion mit Parasiten u.a. über die Milch hat sich eine Entwurmung der Stute am Tag der Geburt bewährt (z.B. mit Ivomec )
Fohlen und Jährlinge: Wachsende Pferde sind gegenüber Parasiten besonders anfällig. Störungen wichtiger Entwicklungsphasen sind nicht wieder aufzuholen. Eine Entwurmung empfiehlt sich in der 6.- 8.Woche und dann im Abstand von 2 Monaten. Entwurmungshäufigkeit: Bei Weidehaltung mindestens 4 mal pro Jahr entwurmen. Bei Wurmverdacht entsprechende Kot- und Blutuntersuchung durchführen lassen (ihr Haustierarzt berät sie gern...). Bei der Herbstentwurmung Präparate verwenden, die auch gegen Magendasseln und Bandwürmer wirksam sind. Weide- und Stallmanagement: Vorbeugen ist besser als heilen. Am wirksamsten schützen Sie Ihr Pferd, wenn sie es weitgehend von Parasiten fernhalten. Und die sind nun mal im Kot. Maßnahmen wie tägliches Ausmisten, regelmäßiges Beseitigen des Kotes von der Weide (2 mal pro Woche ), eine Besatzdichte von maximal 2 Pferden pro Hektar und Weidewechsel im 3 Monatsrhythmus können helfen, die Parasitendichte deutlich zu senken. Sie sind eine gesunde und preiswerte Ergänzung zur Wurmkur. Dr. Christian Franz
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